Stephan Sasek - Nissuin, eine jüdische Hochzeit

Olga und Schlomo heirateten im Juli 2005 im Beit Midrash d’Berlin, einer Einrichtung, in der junge Juden die Regeln und Praktiken des orthodoxen jüdischen Lebens lernen und einüben.
Der traditionelle Hochzeitsritus sieht vor, dass Braut und Bräutigam zunächst getrennt feiern. Die Männer versammeln sich um den Bräutigam (Chatan) und erfreuen ihn mit Gesängen und Tänzen. Es müssen mindestens zehn jüdische Männer zum Gebet und als Zeugen anwesend sein. Der Rabbiner setzt nun mit dem Bräutigam den Ehevertrag (Ketubah) auf, in dem sich der zukünftige Ehemann verpflichtet, seine Frau zu ehren, zu ernähren und zu kleiden.
Zur gleichen Zeit sitzt die Braut (Kalla) im Innenhof auf dem Brautstuhl und wartet zusammen mit ihrer Mutter sowie der Schwiegermutter auf den Zukünftigen. Nachdem dieser den Ehevertrag unterzeichnet hat, wird er von den Männern, die immer noch Lieder singen und tanzen, zur Braut geführt. Wenn er sie erreicht, bedeckt er ihr Gesicht mit einem Schleier.
Der Bräutigam zieht sich nun ein einfaches langes weißes Hemd über seinen Anzug. Auf seinen Kopf wird etwas Asche gestreut, dann geht er mit seinem Gefolge zur Chuppah, dem mit Blumen und Girlanden geschmückten Baldachin, Symbol für das neue Heim der Eheleute. Die Braut folgt ihm unter den Baldachin, und nun beginnt der wichtigste Teil der Zeremonie. Das Paar gibt sich das Eheversprechen, und der Rabbiner segnet die beiden mit einem Glas Wein. Nachdem das Paar vom Wein getrunken hat, steckt der Bräutigam seiner Braut einen goldenen Ring auf den rechten Zeigefinger. Die Hochzeitszeremonie wird mit der Rezitation von sieben Segenssprüchen abgeschlossen. Gemäß der jüdischen Tradition zertritt der Bräutigam schließlich ein Glas, um auch im Augenblick größter Freude an die Zerstörung Jerusalems und dessen Tempel zu erinnern. Sobald das Glas zertreten ist, rufen alle Gäste laut »Mazal tow«, was so viel bedeutet wie: »Ein guter Stern sei über euch«.

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Stephan Sasek
*1973 in Wiesbaden-Sonnenberg/Hessen
lebt und arbeitet in Wiesbaden
http://www.kesas.de